Der mutmaßliche irische Königssohn Koloman hätte vielleicht die Pilgerreise nach Jerusalem ohne weiteres überlebt. Das römisch-katholische Europa jedenfalls nicht. Hier bestand seit Jahrhunderten die Botschaft, dass der Nahe Osten gefährlich sei. Aber vielleicht ist von Melk aus gesehen ja Stockerau bereits der Nahe Osten?

 

Zitat aus "Von Ampeln, Küssen und Mördern

oder: Wie die Geschichte mit uns Katz und Maus spielt und wir uns redlich dagegen wehren"

 

© Corinne L. Rusch

POINTS OF PASSAGE

Kunst, Literatur, Tanz und Film


Das Stift Melk, günstig auf einem Felsen über der Donau am Eingang zur Wachau gelegen, ist seit 1000 Jahren ein Point of Passage, ein Ort des Übergangs. Seit damals werden die Reliquien des heiligen Koloman dort bewahrt. Neun Künstler, fünf Schriftsteller, eine Tänzerin und ein Filmemacher erkundeten dieses geistige und kulturelle Zentrum. Sie bespielten das gesamte Stiftsareal – vom barocken Garten über die Bibliothek bis zur Kirche – mit künstlerischen Kommentaren.

Sowohl der Rückgriff auf historische Fakten und Legenden als auch der Blick auf identitätsstiftende Momente in der Gegenwart bildeten den Ausgangspunkt für die künstlerischen Interventionen. Im Vordergrund standen die Themen Migration, Fremdsein, Anderssein, Differance und gesellschaftliche Ausgrenzung. Einen wesentlichen Impuls dafür bildet das Schicksal des Heiligen Koloman, der selbst Opfer eines Gewaltaktes aufgrund seiner fremdländischen Abstammung wurde.


Die im Rahmen von Points of Passage ausgestellten zeitgenössischen Kunstwerke waren während der Saison 2014 zu besichtigen. Mehrere Veranstaltungen fanden statt, von Lesungen über eine Tanzperformance bis hin zur "Schiffstaufe" mit Abt Georg Wilfinger und schließlich wurde ein Buch zum Projekt veröffentlicht. In diesem Band sind sämtliche Arbeiten der bildenden Künstlerinnen und Künstler dokumentiert und die zwischen essayistischer Betrachtung, poetischer Verdichtung und grotesker Zuspitzung changierenden Texte der eingeladen AutorInnen enthalten. Zusätzliche wissenschaftliche Betrachtungen komplettieren dieses vielstimmige, bibliophile Ereignis.


Points of Passage – Das Buch

Kunst, Literatur, Tanz und Film im Stift Melk

ca. 180 Seiten mit Farbabbildungen

ISBN: 978-3-9502328-9-9

Preis: 20,- Euro

Erhältlich im Stiftsshop und im Buchhandel


Koloman war ein irischer Pilger, mutmaßlich ein Königssohn, der auf seiner Reise nach Jerusalem 1012 in Stockerau als Spion verdächtigt, festgenommen und schließlich hingerichtet wurde. Mit seinem Tod sind Wunder verbunden, weshalb er 1014 in der damaligen Babenberger-Residenz Melk bestattet wurde. Koloman war von 1244 bis 1663 der Landespatron von „Österreich ob und unter der Enns“ und wurde vom Babenberger Leopold III abgelöst.

 

Aus diesem historischen Anlass hat das Stift Melk eine Kunstintervention initiiert, die sich interdisziplinär mit Fragen und Perspektiven zum komplexen Thema Identität befasst. Ein Lageplan der Kunstwerke steht hier zum Download bereit.

 

art work: Katharina Gruzei, Ines Hochgerner, Bernhard Hosa, Manuel Hölzl, Moussa Kone, Stephan Lugbauer, Rainer Prohaska, Markus Proschek, Bianca Regl, Yusimi Moya Rodriguez, Corinne L. Rusch

 

Texte: Martin Rotheneder, Nina Schedlmayer, Moussa Kone und Erwin Uhrmann, E.G. Thormassi, Jakob Deibl, Josef Kleindienst, Alexander Peer, Gabriele Petricek, Magda Woitzuck.

 

Gestaltung: Bettina Scheiber


Website: www.pointsofpassage.com