Laudatio


Alexander Peer, aus Salzburg stammend, in Wien lebend, hat mit der Novelle " Land unter ihnen" einen sehr spannenden und gelungenen Versuch unternommen. Hier wird die Geschichte der Eroberung von Mexiko durch die spanischen Konquistadoren unter Hernando Cortez in den Jahren 1519 bis 1521 erzählt. Dies geschieht in erzählerisch eigentlich recht unauffälliger Art aus auktorialer Sicht. Der Erzähler befleißigt sich durchgängig eines feierlich überhöhten Tons, als gälte es, ein Heldenepos neu zu instrumentieren. "Das Entdecken dieses neuen Landes wurde zum Einfall der Moderne. Jeder wollte Aufnahmen für das Gedächtnis machen, indem er minutenlang mit weit aufgerissenen Augen auf eine Stelle starrte. Dem Erlebnis sollten Abziehbilder der Wirklichkeit zur Seite stehen, damit es nie vergehen würde."

Das heißt: In Wirklichkeit wird das Betreten des unbekannten Landes in Asterixmanier dargestellt - wie der Einfall einer Touristengruppe. Die Eroberungswut und Blutrünstigkeit des Cortez wird auf Frustrationen aus der Zeit seiner Kindheit zurückgeführt, auf das sich-selbst-tröstende Gehabe seiner Mutter, auf die Gewalttätigkeit des Vaters, auf sexuelle Frustration, die alle ihm das Gefühl einer "Enge" geben, aus der er vermeint, unablässig ausbrechen zu müssen. Auch diese Begründungen sind ironisierend vorgetragen, wie denn der ganze Text sich ironisch vermittelt, auch dadurch, dass der Figur des Cortez jene des Matrosen Vasquez gegenübergestellt ist, der durch die Einführung der Kakaobohne in Spanien die nicht-gewalttätige Seite dieser Eroberung verkörpert. Von Cortez hingegen heißt es: "Er hatte für gar nichts mehr eine Wahrnehmung. Eine stete Unruhe trieb ihn voran, ohne ihm begreiflich machen zu können, wohin sie ihn treiben wollte. Wie groß und weit die Welt auch wäre, sie würde nicht genügen."

Hier scheint mir das Paradigma aus dem 16. Jahrhundert in unsere Gegenwart herüberzukippen. Die ganze Novelle, das ist klar, ist unserer Zeit und der nicht zu bändigenden Expansionswut der kapitalistischen Lebensform auf den Leib geschrieben.

Preisrede anlässlich der Verleihung des 3. Preises beim Prosapreises Brixen/Hall 2001 am 9. November 2001 in Brixen für den Text „Land unter ihnen“

Jurysprecher: Univ.-Prof. Dr. Walter Methlagl

Jury: Klaus Amann (Klagenfurt), Elmar Haller (Feldkirch), Hildemar Holl (Salzburg), Walter Methlagl (Hall i.T.), Barbara Fuchs (Brixen)