Rezensionen zu Land unter ihnen

 

Helmuth Schönauer in Buchkultur

Wie kann man mit dem Wissen von heute eine Entdeckernatur von damals beschreiben? Was könnten also die sogenannten Heroen Cortez und Vasquez wirklich gemeint haben, als sie die Neue Welt eroberten und alle vorhandenen Kulturen vernichteten? Alexander Peer geht mit seiner Novelle jenen spannenden Überlegungen nach, die auch heute noch Helden ermuntern, in die Welt zu ziehen und diese für eine vage Idee zu unterwerfen.Der Titel der Novelle kann mehrfach gedeutet werden, einmal kriegen die Seefahrer nach langer Zeit wieder Land unter ihre Füße, sie bemächtigen sich des Landes und unterwerfen es, schließlich setzen sie das Land Zerstörungen aus, bis wirklich die Parole "Land unter" passt. Die Novelle erzählt in einem Freskenausriss, wie sich eine frisch gepflückte Kultur anfühlt, die man gerade zerstört hat.(...) "Land unter ihnen" ist eine sehr plastische Auseinandersetzung mit Eroberungskriegen, die selbst in den Geschichtsbüchern nicht zur Ruhe kommen, solange die Bilder von Heroen nicht verwest sind. Und die Parallele zu heutigen Eroberungskriegen ist pervers aktuell.

 

Peter Pisa im Kurier

Man wird erinnert an Thomas Bernhard, der über Peter Handkes Werke gesagt hat: „Da braucht’s 70 Seiten, bis einer vom Haustor bis zum Gartentürl kommt.“ Man wird deshalb erinnert, weil der gebürtige Salzburger Alexander Peer auch immer ein langsamer Erzähler war. Einer, der „action“ im Innenleben suchte. Und jetzt, in „Land unter ihnen“, rennt er los, erobert das Aztekenreich in nicht viel mehr als 70 Seiten und folgt Konquistador Hernán Cortés bis ans Ende, als er in geistiger Umnachtung an sich selbst scheitert.

 

Ingeborg Waldinger in der Wiener Zeitung

Alexander Peer hat Cortés’ Lebenslauf eingehend studiert und daraus ein spannendes Psychogramm erstellt. „Land unter ihnen“ lautet sein Titel. Der Autor hat sich für das Genre Novelle entschieden, also jene literarische Gattung, die Goethe über das „seltsame, unerhörte Ereignis“ definierte. Und tatsächlich können Cortés’ Eroberungsfeldzüge in Mittelamerika als ein einziger, unerhörter Akt betrachtet werden, als ein Wendepunkt der Weltgeschichte: Der Kolonialismus war der erste Akt der „Globalisierung“. In der Lesart Alexander Peers heißt dies: „Cortés’ Eroberungen wurden zu Jahreszeiten. Die Jahreszeiten fügten sich zu einer Ära zusammen, an deren Ende ein ausgemergelter Korps von verdrießlichen spanischen Soldaten und ein erbärmlicher Rest einer blühenden Kultur standen“.

 

Thomas Völkner in Blickpunkt Lateinamerika

Der österreichische Autor Alexander Peer beschäftigt sich in seinem Buch „Land unter ihnen“ mit der Konquista Mexikos – nicht in Form eines dicken, spannungsgeladenen historischen Romans, sondern in einer knappen, sich auf wesentliche Punkte konzentrierenden Novelle von wenig mehr als 100 Seiten. Peer gestattet sich keinen Raum, um weit auszuholen. In prägnanten, klaren, mitunter auch gewitzten Sätzen skizziert er Figuren – teils historisch verbürgte, teils fiktive – und arbeitet deren mögliche Charaktereigenschaften, Denkweisen und Angewohnheiten heraus: „Hernando Cortés wurde in der Zeit der Liebe geboren, aber diese währte nur kurz. Sein Vater hatte zunächst ein inniges Verhältnis zu seiner Mutter, dann zur Magd und schließlich zum Wein.

 

Thomas Fröhlich in etcetera

Fazit: Trauen Sie sich, Alexander Peers „Land unter ihnen“ zu betreten – es ist eine Reise in die Finsternis, und eine, die sich lohnt!

 

Ulf Großmann in Ostra-Gehege

Hier spült sich der utopisch wirkende Ausspruch von Jean Jacques Rousseau an die Oberfläche: „... verloren seid ihr, wenn Ihr vergesst, dass die Früchte allen gehören und der Boden keinem." Besonders stark kommt die Parabel dieser Kurzprosa zum Vorschein, die unterschwellig den ganzen Text begleitet, wenn Wendungen auftreten, die das Große innerhalb der Handlungen sichtbar machen: „Mit dem Entdecken dieses neuen Landes begann die Moderne“ Alexander Peer liefert eine Untersuchung des Archaischen im Miteinander, historisch und aktuell.

 

Philipp Wascher in Südwind

(...) Anzumerken ist, dass der Autor dieses mit einer eleganten und sehr behutsamen Sprache ansteuert, mit einer Melodik, die leicht ins Ohr geht und das Lesen zu einem Genuss macht.