Herausgegeben von Alexander Peer

mit Texten und Fotografien von:
Matthias Nawrat, Daniel Wisser,
Werner Rohner, Sabine Bockmühl,
Andreas Drescher, Helmuth Niederle,
Isabella Feimer, Peter Wawerzinek,
Catalin Florescu, Erwin Uhrmann,
Axmed Cabdullahi & Ulrike Ulrich
und Paula Schneider

(c) Limbus Verlag 2019

Klappenbroschur. Großformat
256 Seiten, ISBN 978-3-99039-160-0

18,- Euro

 

"An schlechten Tagen neige ich dazu, zu denken, der postmoderne Mensch wisse bereits alles und habe schon alles ausprobiert, er sei deshalb dazu verdammt, auf ewig stecken zu bleiben in apokalyptischen Szenerien, die er in seinem Gehirn nur immer wieder aus bekannten Elementen neu zusammensetze. An guten Tagen frage ich mich hingegen, wie es möglich sein könnte, über das Gewusste hinauszukommen. Ich glaube dann, dass ein solches neues Denken möglich ist. Ein Denken, das quer zum Diskurs steht, das zwar von ihm ausgeht, aber den Blick auf etwas noch nicht Gedachtes jenseits seiner Grenze offen legen kann. Ich glaube dann an einen Bewusstseinsfortschritt der Menschheit und nicht an die ewige Wiederkehr der Geschichte mit all ihren Fehlern – Gewalt entsteht, so denke ich dann, aus einem Mangel an Zuversicht; Grenzen zwischen Gruppen entstehen aus einem Mangel an Zuversicht."

aus Matthias Nawrats Beitrag "Grenze und Utopie", erschienen in "Schreibende Nomaden entdecken Europa".

Schreibende Nomaden entdecken Europa

Reiseliteratur der anderen Art, ein Blick ins Schaffen heutiger Schreibender

Impressionen & Essays


Die Produktionsbedingungen heutiger Literatur bringen es mit sich, dass schreibende Zeitgenossen viel unterwegs sind. Ganz profan geht es oft ums Geld: Stipendien, Schreibaufenthalte, finanziell unterstützte Reisen zu Recherchezwecken bringen Autoren und Autorinnen in alle Welt. Das Ergebnis dieser Reisen ist im Idealfall Literatur – aber was ist mit diesen Reisen selbst? Nur Mittel zum Zweck? Oder selbst der Literatur würdig?


Acht Autoren und vier Autorinnen gehen dieser Frage nach, und dass unter diesen Umständen zwölf vollkommen verschiedene Sichtweisen und Bearbeitungen herauskommen, versteht sich von selbst. Essay, Erzählung, Reportage – Textsorten vermischen sich zu einer Sammlung an Grenzüberschreitungen, inhaltlichen und formalen: von naturalistischer Abbildung zur surrealen Überhöhung. Diese intime Berichterstattung öffnet den Blick auf Europa, bewahrt Flüchtiges, Verdrängtes auch Stilles. Was mitschwingt, ist der alte Topos, dass Schreiben selbst Nomadentum darstellt: der Textbeginn als Aufbruch ins Ungewisse, mäanderndes Schreiben, wobei das gesuchte Ziel oft im Weg ist, denn der literarische Text schafft, was vorher noch nicht gestaltet ist.


Schreibende Nomaden erkunden Europa von Island über Skandinavien, Großbritannien und Italien bis ins Donaudelta, sie lassen uns teilhaben an der Bewegung, daran, welche Bedeutung Reisen in ihrem Schaffen hat, wie unterwegs Literatur entsteht – oder eben nicht –, was sie erleben, sich dabei denken, und vor allem: was für individuelle Preziosen sich daraus entwickeln.

Anfragen von Medien und aus dem Buchhandel sind herzlich willkommen!

 

"Neben diesen, in Uhrmanns Text am explizitesten beschriebenen Beobachtungen, die zur weiteren literarischen Verarbeitung angeeignet werden, eint auch eine formale Gemeinsamkeit die Texte. Jeder Text wird nämlich von Fotografien eingerahmt, die Details aus den jeweils bereisten Ländern, Landschaften und Städten zeigen. Nur wer das Copyright unter den Fotos liest, merkt, dass meist die Autorinnen auch die Fotografinnen waren, also Orte in verschiedenen Ländern abgebildet sind. Denn das Schwarzweiß tilgt die Unterschiede der oft unbeschilderten und ähnlichen Straßenzüge oder der Details der lokalen Faunen.
Hiermit wird auf dieser gestalterischen Ebene ein weiterer Anspruch Peers erfüllt, der zum Schluss seines Vorworts die Etymologie von Europa als 'Frau mit der weiten Sicht' erklärt und fragt, welche weite Sicht wir brauchen, um Europa zu schaffen, wie es uns gefällt. Die Texte beantworten diese Frage: Wenn man, wie die in diesem Band versammelten Autorinnen, die Sicht auf Europa ausweitet, erkennt man die Unterschiede im 'Fremden', die für das eigene Schreiben angeeignet werden können, aber eben auch die Gemeinsamkeiten."

Florian Dietmaier in seiner Besprechung für das Buchmagazin des Literaturhauses Wien.

 

Dank an die Förderer:

Fondation Jan Michalski
Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres
Kulturstiftung Liechtenstein