erschienen im Innsbrucker 
Limbus Verlag, 2011.
Reihe Zeitgenossen
Kaschierter Pappband. 126 Seiten

Preis: 15,90 € (A/D)

ISBN 978-3-902534-45-3

 

mit einem Nachwort von Univ.-Prof. Dr. Karl Vocelka über das ambivalente und naturgemäß reibungsintensive Verhältnis von Wissenschaft und Fiktion.


Der gebürtige Salzburger Alexander Peer betreibt die Engführung eines Entdeckerlebens, das von Dutzenden Biographen nachgezeichnet wurde: Hernán Cortés hatte mit der Eroberung Mexicos den Grundstein zum spanischen Kolonialreich gelegt. (...) Bei all der Dichte an Fakten findet Peer genügend Raum, das Seelenleben des Eroberers auszumalen und sein Gepäck an Kindheitserinnerungen aufzuschnüren.

Ingeborg Waldinger in der Wiener Zeitung
über "Land unter ihnen"

Weitere Auszüge aus Rezensionen finden Sie hier.

 


Land unter ihnen

Novelle von Alexander Peer

1

Hernando Cortés ging den ganzen Abend vom Bug bis zum Heck der Galeone und wieder zurück. Das Schiff hatte gerade 35 Meter Länge und in drei milden Atlantikstunden mochte ein Mann seines Alters schon etliche Male auf- und abgeschritten sein. Mehr als dreißig Jahre lagen hinter ihm. Sie schienen Cortés von verdrießlicher Ereignislosigkeit durchzogen. Ein abgebrochenes Universitätsstudium in Salamanca, ein paar Jahre Ackerbau und Viehzucht auf Santa Domingo und Cuba sowie eine übereilte Heirat, die mehr dazu diente, einen beschädigten Ruf zu kurieren, als einer Leidenschaft eine legale Form zu geben. Gut, er hatte es dank einiger Goldfunde zu einem herzeigbaren Besitz gebracht, aber das konnte ja wohl nicht alles sein.

Ein mächtiges, aber auch vages Gefühl zog ihn an die Reling. Finsternis stieg herauf. Die Mannschaft wusste, worauf Cortés wartete. Es würde der Horizont schon noch mit anderem aufzuwarten haben als mit diesem ewigen Blau in Blau, mit dem sich Himmel und Wasser überbieten wollten. Ein sanftes Gelb oder Braun oder auch Grün würde sich dazwischenschieben. Dann würden sie alle befreit aufschreien. Wohl auch Cortés, dessen schwerer Atem immerzu als Auftakt zu einem Wutanfall gelten konnte.

Jedoch, es blieb bei einem fortwährenden Auftakt ohne nachfolgendem crescendo furori. Vielleicht zeigt er ja sein Toben nicht, mutmaßten die Soldaten und stellten sich vor, dass in ihm Kriege aufgeführt wurden. Die Seeleute aber hatten es sich in ihrem entbehrungsreichen Werdegang abgewöhnt sich aufzulehnen, denn tobende Kapitäne hatte jeder von ihnen schon ertragen. Jahre hatten die meisten auf Schiffen verbracht und sie schätzten die wortkarge Verhärmtheit ihres Befehlshabers.

 

Die Novelle wurde mit dem 3. Preis beim Prosawettbewerb Brixen/Hall prämiert.
Hier
können Sie die Laudatio lesen.

Im Rahmen einer Literadio-Sendung auf der Frankfurter Buchmesse sprach Jörg Stöger mit dem Autor über Entstehung, Recherche und Umsetzung des Stoffs.
Hier können Sie die Sendung hören.

Land unter ihnen    (25. April 2013)


Kurz-Porträt auf Radio Stephansdom